Heute heißt es Abschied nehmen. Wir wollen pünktlich sein, damit für die neuen Gäste alles schön hergerichtet werden kann. Das Gästebuch liegt auch noch auf der kleinen Terrasse, uns ist nicht wirklich eingefallen, wie wir unseren Aufenthalt hier in Worte fassen können.

 

Gerade sind wir dabei unser Gepäck wieder auf den Motorrädern zu verstauen, da kommt auch schon Ikbal um die Ecke mit dem frischen Frühstücksbrot. Kurz entschlossen entscheiden wir, sie muss ein Bild von uns vor dem Asmali House machen, das kleben wir ins Gästebuch! Erst haben wir keine Beine auf dem Foto, aber schon der 2.Verusch findet unsere Zustimmung. Evelyn schläft noch, so können wir in Ruhe unsere Seite im Gästebuch mit Bild und Text füllen.

 

Gerade machen wir uns über die letzten Stücke der frischen Sesamkringel her, da kommt auch schon Evelyn ums Eck. Ihr Mann ist gestern abend angekommen, und die zwei haben noch in seinen Geburtstag reingefeiert. Sie ist verständlicherweise etwas müde. Zudem hat es in der Nacht gewittert und geregnet. Davon haben wir nichts mitgekriegt. Wir haben wie die Baby's tief und fest geschlafen.

 

Wie jedes Mal plaudern wir drauflos, erzählen vom Ballonausflug und kommen von dort über die Landschaft zum Thema fotografieren. Evelyn möchte, dass wir ihr ein Bild schicken, zur Erinnerung. Wir grinsen wie die Lausbuben, reichen ihr mit den Worten: „Das hast du schon" das Gästebuch. Verständnislos schaut sie uns an. Dann öffnet sie das Buch – und – diesen Gesichtsausdruck kann keine Kamera der Welt einfangen – findet unser Bild.

Wir haben es geschafft sie ein weiteres Mal sprachlos zu machen. Eigentlich wollten wir uns nun verabschieden, doch irgendwie landen wir auf Evalyns sonniger Dachterrasse mit einer Tasse richtigem Filterkaffe für Larissa bzw. einer Tasse Milch für Tilman. Ihr Mann kommt noch dazu und wir reden und erzählen. Bis um 12 Uhr blieben wir dort. Eigentlich wollten wir um 9 Uhr los.

Ja, es fällt uns schwer diesen Ort zu verlassen. Gerne würden wir bleiben, bei Evelyn im Asmali-Cave-House, in Uchisar, diesem verzauberter Ort, der sich einen Platz in unseren Herzen erobert hat. Das ist Kappadokien.

Eine herbe Schönheit umgibt diese Landschaft und wenn sie dir gefällt, spürst du in dir die Sehnsucht wiederzukommen. Auch in uns hat sich dieses Samenkorn niedergelassen. Noch einmal hierherkommen mit dem Motorrad, einem geländegängigeren, und soviel wie möglich erkunden, mehr von dieser Landschaft in uns aufnehmen. Noch einmal Evelyn treffen und mit ihr an langen Abenden über Gott und die Welt reden.

Seufzend trotten wir zu Nils H. und der Kischt.  Eine letzte Umarmung und ein letztes Adieu, dann geht es weiter. Einem alten Brauch folgend, schüttet uns Ikbal einen Wasser aus einem Krug hinterher. Das soll dafür sorgen, dass wir heil nach Hause kommen.

 

Da ich mich noch immer gehandicapt fühle, gehe ich erstmal zu Fuß. Tilman fährt mir meinen Nils H. die sandige steile Piste rauf. Im Stille beschließe ich, ab heute fahr ich alles wieder selber.

 

Während ich warte, einen alten Caddy fotografiere, spricht mich ein Herr an, ob er das noch richtig weiß, dass PF für Pforzheim steht. Es stellt sich heraus, er wohnt immer für 6 Monate in Uchisar und die restliche Zeit bei Karlsruhe. Sofort lädt er uns auf einen Mocca ein. Dankend lehnen wir ab, nehmen aber seine Einladung für ein anderes Mal gerne an.

Für unsere Begriffe ist es saukalt, und der Wind findet jede offene Stelle an der Bekleidung um hindurchzupfeiffen. Da wir noch gefangen sind in der Erinnerung an Kappadokien, können wir dieser Landschaft nicht viel abgewinnen. Die Hügel sind sanft und die Täler weit. Doch überall ist wenig Grün. Nur in den Flussauen und an den Quellen.

Laut meiner Karte und Tilmans Navi ist kurz vor Ankara ein Campingplatz. Diesen möchten wir heute noch erreichen. Auf der Schnellstrasse nutzen wir möglichst nur die rechte Spur, da sich auf der linken ganz viel Rollsplit gesammelt hat. Den bekommen
wir jedes Mal zu spüren, wenn uns ein Auto überholt.

 

Ein roter Traktor fährt auf dem Standstreifen vor uns. Noch einmal überprüfe ich die Karte vor mir, ob wir richtig sind. Das waren nur wenige Sekunden und doch bin ich schon nahe an dem Traktor, als dieser plötzlich rüberzieht auf meine Spur. Zum Hupen habe ich keine Zeit mehr. Ich konzentriere mich auf die Straße vor dem Trekker, denn da will ich hin, ganz so wie ich das im Sicherheitstraining gelernt hab.

 

Der Trekkerfahrer hat mich gesehen und schwenkt zurück Richtung Standstreifen. „Du fährst da jetzt zügig vorbei. Das ist nicht das Ende" geht es mir durch den Kopf. In Schräglage passiere ich Anhänger und Zugmaschine. Für mich hat es sich angefühlt als hätte ich locker Platz gehabt. An Tilmans erschrecktem Ausruf und tiefem Luftholen merke ich das wohl doch nicht mehr so viel Platz gewesen war. Er hatte es gerade noch so im Spiegel gesehen. Jedenfalls bin ich jetzt richtig wach und anwesend.

Langsam wird es Zeit, dass wir den Campingplatz finden. Es ist fast 17 Uhr und die Sonne wird noch ca. 1,5 h Licht geben. Der Tankinhalt geht auch zur Neige, deshalb verlassen wir den „Highway" um im nächsten Ort zu tanken. Doch bevor wir den Ort erreichen hat auch Tilman noch sein eigenes Adrenalinerlebnis.

 

Er fährt vor mir und auf einmal gibt es ein metallisches Klappgeräusch und sein Hinterrad versinkt kurz fast 10 cm tief im Boden. Was war denn das? Vorsichtshalber mach ich einen Schlenker um die Stelle und sehe einen Gulliedeckel der immer noch hin- und herkippt. Hoffentlich hat das Fahrwerk das ausgehalten.

Und das nächste Hindernis wartet schon auf uns. Wieder einmal geht mitten durch den Ort eine Baustelle. Doch wir werden durch gewunken, und das ist auch gut so, denn genau in der Baustelle ist die Tankstelle. Gleich zwei Herren kommen auf uns zu und wollen die Fahrzeuge betanken. Nur einer ist der Tankwart, der andere wirkt auf uns etwas verrückt, aber lieb verrückt.

 

Der Tankwart bestätigt uns das auch. Auf unsere Frage nach einem Campingplatz kann uns dann der „Verrückte" eine klare Ansage machen. Wir müssten noch ca 1 Stunde Richtung Gölbaşın, bei Ankara fahren, da gibt es ein Camphotel. Diese Zeitaussage deckt sich in etwa mit der Angabe auf dem Navi.

Bis die Sonne untergeht haben wir noch 1h 10 min, wenn wir ein wenig schneller fahren, könnte uns das reichen zum Zeltaufbau, vorausgesetzt wir finden das Camphotel gleich. Diesmal müssen wir nicht lange suchen. Riesengroße Werbeplakate weisen uns den Weg direkt zum Hotel.

 

Auf dem Parkplatz spricht uns einer an: „des isch jetzt net wohr. Was machet denn ihr Pforzemer Seggl do?" Entgeistert starren wir den Mann an. Wo kommt denn der her und warum kennt er Pforzheimer Nummernschilder? Das ist uns ja nicht mal in Nevshehir passiert.

Die Erklärung lässt nicht lange auf sich warten: Er kommt aus Weissach und ist mit einer Gruppe Busreisender unterwegs an der Ostgrenze der Türkei entlang. Jetzt sind sie auf dem Heimweg. Sie übernachten in dem Reisebus und verpflegen würden sie sich auch selber aber der Caravanplatz sei sehr gut und die Duschen sauber. Also gut was anderes zu suchen, dafür bleibt uns sowieso keine Zeit mehr.

Die Hotelrezeptionistin schickt gleich einen Sicherheitsmann mit. Dieser führt uns ums Hotel herum zum Caravanplatz. Uns wird klar, dass wir missverstanden worden sind, denn wir sollen hier auf den Kieseln des Parkplatzes unser Zelt aufschlagen! Schon beim hingucken tut mir da der Rücken weh. Neben dem Parkplatz ist der Spielplatz des Hotels, und der ist mit zartem grünem Gras ausgestattet. Genau da wollen wir unser Zelt aufbauen.

Zögernd erkundigt sich der Sicherheitsmann, ob das ok wäre, wenn wir dort zelten. Kaum hat er genickt, sind wir auch schon am aufbauen. Jetzt mit „ohne" dickem Verband, kann ich auch viel besser mit anpacken. Es wird eine kalte Nacht am See mit
Mitternachtsfeuerwerk.